Zahlen und Herzblut
Karl Lennartz: Marathonlauf Teil 3, Frauen – geborene Marathonläuferinnen, Seiten 743-1229, gebunden, 25,20 € UM-Verlag, ISBN 978-3-9811512-1-3.

Statistisch untermauert er, wie Deutschland seine anfängliche Führungsposition verlor bis zum bitteren Ende, als bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen nur noch eine und der WM 2005 in Helsinki keine deutsche Marathonläuferin am Start war. Da endet das Buch, das Hoch von Göteborg ist nicht mehr enthalten. Der Dualismus der beiden führenden ostdeutschen Läuferinnen Kathrin Dörre und Uta Pippig wird dokumentiert, wobei über den Dopingfall Pippig nicht das Mäntelchen des Schweigens gehüllt wird. Überhaupt: der Autor versteckt sich nicht hinter dürren Zahlen, sondern nimmt den Fall Olivia Grüner zum Anlass zu längeren Ausführungen über Magersucht und Marathon der Frauen. Auch eigene Tagebuch-Notizen von olympischen Rennen sind eingebracht.
Hochinteressant für Fachleute sind die Fünf-Jahres-Statistiken im nationalen und internationalen Vergleich, für manche ist das Zahlenwerk zu ausführlich. Die Alternative aber wäre es, alle SPIRIDON-Ausgaben seit 1975 zu lesen. Diese hat der Autor gründlich durchforstet und viele Bilder und Beiträge eingearbeitet und wie es sich gehört, korrekt und mit Erlaubnis zitiert.
Als Sahnehäubchen bringt Lennartz in diesem Frauenbuch am Schluss in alphabetischer Reihenfolge 92 Seiten lang die Biographien der bedeutendsten deutschen Marathonläufer, nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer. Das alleine ist schon eine Fundgrube.
Dieses dritte Buch hat Lennartz seinen Kindern Birgit und Burkhard gewidmet, die er zum Laufen animiert und trainiert hat, beide auf noch längeren Strecken ihre absoluten Stärken hatten. Birgit immerhin wurde einmal (1989) deutsche Meisterin über die Marathondistanz. So ist es klar, dass in diesem Buch auch Herzblut mit dabei ist. M.St.


















