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Ein Interview mit Manfred Steffny ist bei youtube.de zu sehen

Aus SPIRIDON 4/2008

 

Trainer mit Händchen für Frauen

Paul-Heinz Wellmann hat das Handy stets griffbereit. Ob er während eines Marathons Zwischenzeiten zum Ziel durchgibt oder es beim Training auf Texel klingelt und sich vielleicht eine Trainingsgruppe aus Flagstaff meldet oder das Büro des Leverkusener Cheftrainers in Leverkusen. Dabei hat der 56-Jährige hauptsächlich mit Frauen zu tun, die seiner Trainingsplanung vertrauen. Neben den Läuferinnen des SV Bayer 04 betreut der renommierte Trainer nolens volens mit Gast Sabrina Mockenhaupt und der abtrünnig gewordenen Sonja Oberem auch zwei Vereinsfremde, die sich Hoffnungen auf eine olympische Teilnahme machen. Mit Charme und Stoppuhr hält Wellmann seine Läuferinnen bei Laune.

VON MANFRED STEFFNY

Laufstil
Paul-Heinz Wellmann betreut trotz Vereinswechsels von Leverkusen nach Düsseldorf seinen erfolgreichen Schützling Sonja Oberem weiter. Foto: Kiefner

In Flagstaff in Arizona tummeln sich im April unter den internationalen Athleten LangstreckenläuferInnen aus Wattenscheid und Leverkusen. Der von Texel nach Flagstaff in 2.000 m Höhe nachgereiste Wellmann kann auf seinen Geburtstag (31. März) keine Rücksicht nehmen und richtet sein Augenmerk vornehmlich auf die Bayer-Athletinnen Melanie Kraus und Kerstin Marxen sowie auf Sabrina Mo-ckenhaupt. Melanie Kraus trainiert für den Metrogroup Marathon in Düsseldorf am 4. Mai, vom Veranstalter hochgepuscht als deutsches „Olympia Trial“ für den Frauen-Marathon. Es treten an die Vorjahrssiegerin Luminita Zaituc, die WM-20. Melanie Kraus, die frühere Spitzenläuferin Sonja Oberem und möglicherweise Claudia Dreher, frühere Siegerin von Köln und zuletzt Tokio.

„POKERN BRINGT MELANIE NICHTS“

Melanie Kraus hat im Moment die besten Karten nach Irina Mikitenko, die am 13. April in London antritt. Wäre es nicht besser, sie zu schonen und in Ruhe abzuwarten, wie die anderen laufen? Kraus hat die Olympianorm gleich zweimal geschafft, einmal durch ihren guten Platz bei der WM in Osaka und dann durch ihren Sieg von 2:28:56 h in Frankfurt.
Doch Wellmann wehrt ab: „Pokern bringt Mella nichts. Man muss auch die finanzielle Seite sehen. Sie würde damit eine Möglichkeit verpassen, gutes Geld zu verdienen. Sie braucht auch einen größeren Wettkampf vor Peking. Und außerdem: wenn sie nur 2:31 h laufen würde und zwei andere die Norm von 2:31 h unterbieten, ist sie nicht draußen. Sollte im Vorfeld gesundheitlich irgendetwas schief gehen, würden wir aber den Wettkampf sofort absagen. Aber ich denke, sie wird noch schneller als in Frankfurt laufen.“
In Flagstaff wird Wellmann auch Sabrina Mockenhaupt trainieren, die zwar nach Leverkusen umgezogen ist und sich von dem 1.500-m-Olympiadritten von Montreal trainieren lässt, aber weiter bei ihrem Kölner Verein für Marathon e.V. bleibt. „Wir blicken da über den Tellerrand“, sagt Wellmann, „durch die den Spitzensport fördernde NRW-Stiftung und die Leverkusener Schiene besteht eine Verbindung. Außerdem sind die beiden Vereine befreundet.“

MOCKI UND DIE 25 RUNDEN

Laufstil
SPIRIDON-Chefredakteur Manfred Steffny im Gespräch mit dem Geschäftsführer der Leichtathleten von Bayer Leverkusen und erfolgreichen Frauen-Trainer Paul-Heinz Wellmann Foto: Wienke

Wie kommen Melanie Kraus und Sabrina Mockenhaupt zurecht?
„Sehr gut, sie sind so unterschiedlich, dass sie sich schon wieder verstehen. Die eine spricht wenig, die andere viel, wir kommen alle gut miteinander klar. Es ist gar nicht so schwer, als Mann Frauen zu trainieren, wie manche meinen“, erklärt Wellmann, der als
Coach viel gelernt hat vom ehemaligen DLV-Cheftrainer Paul Schmidt und vom Frauenversteher Gerd Osenberg, seinem Vorgänger in Leverkusen, der so unterschiedliche Charaktere wie Heide Rosendahl, Ulrike Meyfarth und Liesel Westermann unter einen Hut brachte. „Das Training wird so gestaltet, dass es für beide passt. Melanie macht die schnellen Sachen nicht mit, beide können zusammen Tempodauerläufe machen und wenn Mocki die langen Läufe bis 25 km macht, dann läuft Mella noch 5 km mehr. Außerdem konzentriert sich Sabrina auf den 10.000-m-Lauf von Stanford in Kalifornien, wo sie die Olympianorm schaffen will. Das gleiche Programm hat auch Jan Fitschen von Flagstaff aus. Marathon möchte Sabrina bei einer internationalen Meisterschaft erst 2009 bei der WM in Berlin laufen.“

Welche Rolle spielt die Marathon-Erfahrung für Mocki mit ihrem Sieg von Köln in 2:29:33 h? Hat sie jetzt die Angst vor den 25 Runden über 10.000 m verloren?
„Das kann man so sagen. Ich glaube nicht, dass sie so schnell noch mal aufgeben wird. Von ihrer Einstellung her hat Mocki durch den Marathon von Köln ihre Kämpferqualitäten verbessert. Das war ihr schwerster Wettkampf, sie trainiert jetzt konsequenter und härter“, erklärt Wellmann.

Waren vier Hallenrennen nicht zuviel für sie?
Wellmann: „Die Hallensaison sollte kurz und kna-ckig sein, 3.000 m in Stuttgart, 1.500 m in Karlsruhe und dann noch der Europacup in Moskau. In Stuttgart ist es nicht ganz so gut gelaufen, daher ist sie vielleicht überflüssiger Weise in Düsseldorf noch einmal 3.000 m gelaufen, aber die 1.500 m waren fest eingeplant. Die anschließenden Crossläufe wie der Gewinn der Militärmeisterschaft haben ja gezeigt, dass sie in Form ist.“

Und wie sind die Chancen von Schützling Sonja Oberem? Ihr letzter beendeter Marathon liegt mit Berlin 2004 in 2:26:53 h bereits dreieinhalb Jahre zurück.
„Bei ihr ist es nicht ganz so einfach. Ich war im Herbst der Meinung, dass sie bei einer guten Vorbereitung noch mal schnell laufen kann, aber es läuft nicht so prickelnd. Sie müsste deutlich unter 2:30 h laufen, aber unten rum ist sie zu langsam. Sie müsste über 10.000 m eine Zeit von Ende 33 oder Anfang 34 laufen. Qualitativ war ihr Training nicht so gut, die Umfänge lagen gut mit Wochen zwischen 150 und 200 km.“

Acht dürfen hoffen

Acht deutsche Marathonläuferinnen können sich Hoffnungen auf die Olympiateilnahme 2008 machen. Vier haben bereits die Olympianorm von 2:31:00 h unterboten, die zwischen 1. August 2007 und 18. Mai 2008 erzielt werden muss. Drei können auf Vorschlag des DLV vom DOSB nominiert werden.

Irina Mikitenko, * 1972
(TV Wattenscheid)
2008: 1. London 2:24:14

Melanie Kraus, * 1974
(Bayer 04 Leverkusen)
2007: 1. Frankfurt 2:28:56
20. WM Osaka 2:37:20

Luminita Zaituc, * 1968
(LG Braunschweig)
2007: 1. Düsseldorf 2:29:37
auf WM Osaka verzichtet
5. Frankfurt 2:30:09

Sabrina Mockenhaupt, * 1980
(Kölner Verein für Marathon)
2007: 1. Köln 2:29:33

Sonja Oberem, * 1973
(Rheinmarathon Düsseldorf)
2007: Berlin aufgegeben

Ulrike Maisch, * 1977
(1. LAV Rostock)
2007: 6. Frankfurt 2:32:41

Claudia Dreher, * 1971
(LG Ihleläufer Burg)
2007: 8. Hamburg 2:33:58
auf WM Osaka verzichtet

Susanne Hahn, * 1978
(SV schlau.com Saar 05 Saarbrücken)
2007: 6. Paris 2:33:25
43. WM Osaka 2:47:29

Wie ist Sonjas Vereinswechsel vom SV Bayer 04 nach Düsseldorf zum Rheinmarathon e.V. angekommen?
„Wir waren darüber nicht erfreut,“ wählt ihr langjährige Trainer sorgsam seine Worte. „Wir hatten im Herbst die Planung für Peking abgesprochen und waren überrascht, dass sie sich zwei Tage vor Ende der Wechselfrist bei uns abgemeldet hat. Aber wenn es nötig ist, werde ich sie auch weiterhin betreuen. Wir telefonieren ständig miteinander. Sie trainiert ja nicht mehr bei uns. So hat sie mir aus Mallorca gemeldet, dass sie aus dem Training heraus auf einem schwierigen Kurs Halbmarathon als Fünfte in 1:18 h gelaufen ist.“

Sabrina Mockenhaupt hat starke Zweifel angemeldet, dass Sonja es noch mal schafft…
Wellmann: „Wer Sonja kennt, weiss, dass sie ein Tier ist. Wenn es um die Wurst geht, kann sie noch einmal einen raushauen.“

Und was machen die anderen Marathon-Kandidatinnen für Peking?
„Susanne Hahn will als Nike-Athletin bei den deutschen Meisterschaften in Mainz laufen“, weiß Wellmann, „wir haben sie noch auf der Rechnung. Ihre 1:11:29 h von Den Haag im Halbmarathon sind richtig gut. Aber dort in Mainz kann es schwül und heiß werden. Wenn auch noch Claudia Dreher in Düsseldorf läuft, kommt eine weitere Anwärterin dazu.“

Und die Europameisterin Ulrike Maisch?
„Wir haben den Vorteil, dass wir in Düsseldorf schon wissen, wie schnell Ulli eine Woche vorher in Hamburg gelaufen ist. Aber es wird schwer für sie werden, unter 2:30 h zu laufen.“

ZAITUC-KRAUS ODER KRAUS-ZAITUC

Und wer gewinnt in Düsseldorf?
„Luminita Zaituc wird alles tun, um gesund an den Start zu gehen und auch ohne Pause durchzukommen“, betont Wellmann, „wenn sie wieder Pausen macht wie in Göteborg oder Düsseldorf, wird Melanie Kraus an ihr vorbeilaufen. So ist mein Tipp: Zaituc-Kraus oder Kraus-Zaituc. Und das wären mit Irina Mikitenko dann auch die Olympiateilnehmerinnen.“

Und was macht Kerstin Marxen in Flagstaff? Will die Mittelstrecklerin jetzt auch auf längere Strecken gehen?
„Durch das Höhentraining will sie ihre Kondition verbessern und sich auf 3.000 m Hindernis vorbereiten. Sie hat eine sehr gute Hindernistechnik und ist bei einem ersten Versuch über 2.000 m Hindernis knapp unter 7 min geblieben.“