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14. SPIRIDON-Kreuzfahrt

2. Golf-Etappenlauf mit Dubai-Marathon (21.01.2011)

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Haile in Dubai

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Go East - aber mit Dampf!

26.01.2002 - Von Manfred Steffny

Nach so gut vierzig Minuten drehe ich richtig auf. Der Westwind bläst mir in den Rücken. Und fliegend sind auch meine Positionswechsel. Erst war da das Samstagmittag-Gewirr im Hauptbahnhof, wo ich den ersten Wagen der vollbesetzten S-Bahn enterte und nach zwei Stationen ausstieg, gegenüber der Glashütte in den Wald hineinstob, in der Vorstadt herauskomme, wo gerade Geschäftsschluss ist, Bistrotische wackeln und Dekorationen rein getragen werden, ehe sie weggeblasen werden. Hauptsache kein Regen, es ist trocken, na ja das bisschen Wind, irgendwelche Abstriche muss man beim Lauftraining schon machen. Dann bog ich auf den Radweg im Naturschutzgebiet ein.

Wie gerne laufe ich auf solch einem Hohlweg mit beidseitigem Baumbewuchs, der jetzt vom Sturm geschüttelt wird. Auf dem Bahndamm links sind im Herbst eine Reihe Bäume gefällt worden, angeblich wegen Einsturzgefahr. Wird alles mächtig übertrieben, denke ich. Mir fehlen diese freundlichen Begleiter und es wird Jahre dauern, bis der Wald wenigstens im Sommer wieder voll im Grün steht. Go West: ein Mountain-Biker kommt mir entgegen, er buckelt mächtig, kommt mir aber nur relativ langsam entgegen. Ich muss grinsen und rufe ihm ein: ,,Windig, was!" entgegen. Was meine Schritte beschleunigt und verlängert, der heftige Westwind, der bläst dem Radfahrer voll ins Gesicht, verfängt sich in Lenker und Rahmen, das Rad wird zentnerschwer. Ich mache das Kreuz breit, die Beine lang, nutze den Schiebewind aus. Neulich las ich, selbst die härtesten Fußballer spuckten im Spiel nach der Seite, um ihren Schutzengel nicht zu treffen. Irrtum, um sich bei Gegenwind nicht selbst ins Gesicht zu spucken. Hätte ich lange Haare, so würden sie jetzt vor mir herwehen wie der Blondschopf von Uta Pippig 1994 beim Marathon von Boston. Da kommt schon der nächste Radfahrer, in Rennkluft auf spindeldürrem Gefährt. ,,Anders rum!" rufe ich ihm schon lange vorher entgegen, denn meine Worte werden angesogen, während seine Antwort verschluckt wird. Ich höre nur das Surren der Kette und das Ächzen der Pedale.

Ich wechsle von der Straße zu einem in die Höhe führenden Naturweg. Was bin ich schnell oben, sozusagen angeschoben - wie das Treibholz unten im angeschwollenen Fluss. Doch auf die Hochebene will ich nicht, ein Richtungswechsel und eine unsichtbare Wand könnte mich wegdrücken. Ich reagiere wie ein zweibeiniges Segelschiff - die Messe ,,Boot" haben wir gerade in Düsseldorf. Also auf halber Höhe lavieren, Umwege in Kauf nehmen, Zeit habe ich ja. Der Vorteil eines so trockenen Sturmes ist, dass er die Pfützen aufleckt wie ein durstiger Elefant und kleine Wege, die gestern noch im Wasser standen, wieder gut belaufbar sind. Nun begegne ich keinem Menschen mehr, in langen Schleifen bewege ich mich im Gelände, bis ich endlich am Bahndamm rauskomme und durch eine Unterführung - halt die Ohren steif! - die letzten paar hundert Meter im offenen Gelände in gebückter Haltung zurücklege. Geschafft! Das war ,,Go East" ohne Rauch, aber mit Dampf, trockenem Rücken und offenen Augen.

Am Abend höre ich im Rundfunk, dass am Kemnader Stausee bei Bochum, etwa eine Marathondistanz entfernt von meinem Trainingslauf zur gleichen Zeit - so gegen 15 Uhr - ein älteres Ehepaar aus Wuppertal beim Joggen von einem umstürzenden Baum getroffen worden. Sie, 62, tot - er, 58, schwer verletzt, so stand es lapidar im Polizeibericht. Das Spiel mit dem Wind, das ich im Neandertal genossen hatte, war ihnen zum Verhängnis geworden. Der Baum, mein Freund, er war zum Feind geworden.