Nackt als Wunsch und Wirklichkeit
Von Manfred Steffny
Am liebsten wäre sie nackt gelaufen, bekannte Catherine Ndereba, die nach Paris 2003 erneute Marathon-Weltmeisterin aus Kenia. Wenn es erlaubt gewesen sei, wäre sie bestimmt schneller gewesen.
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Die nackten Füße kühlt Marathon-Weltmeisterin Ndereba mit Eisbeuteln. Foto: Mast
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Eine Nackte half mir auch am frühen Morgen, mit freiem Blick aus dem Gewühle heraus beim Halbmarathon, hier schön Midpoint genannt, Fotos zu schießen. Dicht an dicht standen nicht nur dort die wartenden Menschen, viele mit Fächern bei schon 28 °C um 7 Uhr. Über das Echo staunte selbst Horst Milde, der Ehren-Renndirektor des Berlin Marathons. „Da müssen wir uns aber 2009 bei der WM in Berlin anstrengen“, meinte er. Der Berliner Kurs bei der nächsten WM wurde am Samstag schon mal in Osaka vorgestellt: ein 10-km-Rundkurs rund ums Brandenburger Tor. Und die Geher dürfen „Unter den Linden“ ausschreiten statt in einem engen Park wie in Osaka. Auch Melanie Krause, die 20. im WM-Rennen wurde, Berlin zu ihrem Lieblings-Marathon erklärte, staunte, dass dies in Osaka zuschauermäßig noch zu übertreffen war und viele Japaner ihren Namen riefen.
Wie war das mit der Nackten? Es handelte sich um dicht an der Straße stehende Bronzestatue eines italienischen Bildhauers, die mir mitsamt Marmorpodest als Plattform diente. Die war bis dahin vom Zuschauerandrang unberührt gewesen, als ich plötzlich an dieser Stelle auftauchte, während die Fernsehhubschrauber über uns dröhnten. Schon zum Männer-Marathon hatte ich sie mir ausgeguckt, war sie mir ein dienstbarer Geist, als ich mit einem Fuß in der Luft hing und mich mit einer Hand an ihrem Hals festhielt.
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Melanie Kraus bei km 21,1 mit der Bosnierin Luciah Kimani, die später aufgab. Foto: Mast
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Trotz äffischer Haltung und Kamera konnte ich noch „Melanie!“ rufen, als sie an 46. Stelle die Halbmarathonmarke passierte. Ab km 25, wo ihr Trainer Paul-Heinz Wellmann die Lage abschätzte, sei sie dann nach vorne marschiert. Schneller als 3:40 min pro km durfte, sollte sie nicht anlaufen. 8-10 min laufe man langsamer hier, hatten ihr die Trainer gesagt. Eine richtige Einschätzung, die auch einige Fachjournalisten mit der getippten Endzeit von 2:30-2:31 h (Ndereba lief 2:30:37) hatten. So wurde Melanie Krause noch 20. in 2:37:20 h und war damit wesentlich besser als bei ihrem bisher einzigen WM-Einsatz 2001 in Edmonton. Japan als Höhepunkt der Marathonstimmung und dazu eine Weltmeisterschaft, das müsse man erlebt haben, meinte die 32-jährige Apothekerin. Da könne man ruhig auf Preisgelder im Herbst verzichten. Das gute Gefühl, das sie jetzt habe, halte auch noch bis zu einem Frühjahrsmarathon an, bei dem sie sich für die Olympischen Spiele in Peking qualifizieren wolle. Sie habe bewiesen, dass sie unter schwierigen Verhältnissen bestehen kann. Über diejenigen aus dem DLV-Team, die nicht angetreten sind, wolle sie den Stab nicht brechen. „Jede muss ihre Entscheidung selbst treffen, wir werden ja sehen, wer im Herbst noch überraschend eine Leistung bringt“, fügte sie putzmunter hinzu und wird wohl erst viel später gemerkt haben, dass sie z.B. alle Äthiopierinnen hinter sich gelassen hat.
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Catherine Ndreba stolziert als Marathonsiegerin, während bei Reiko Tosa als Dritter der Schmerz noch überwiegt. Foto: Mast
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Reiko Tosa, die Dritte, machte dagegen den Eindruck, als habe sie einen Kreuzweg hinter sich. Sie hatte an der Spitze gerackert, um Anschluss gekämpft und für Bronze gelitten. Bei km 39 war die einzig vorne verbliebene Japanerin hinter ein Führungsquartett abgefallen auf den fünften Rang. Enttäuschung machte sich im Stadion breit. Doch dann ging der Kenianerin Rita Jeptoo, die ihre Flasche verfehlt hatte, der Saft aus. Reiko war Vierte und kämpfte sich unter den tobenden Anfeuerungsrufen ihrer japanischen Landsleute an die zweite Chinesin heran und schließlich noch klar vorbei. Die WM-Zweite von Edmonton 2001 war trotz einer Knieverletzung wieder in den Medaillenrängen. Es war die einzige Medaille für Japan bei dieser Weltmeisterschaft, und es wäre das erste Mal gewesen, dass das Gastgeberland bei einer WM leer ausgegangen wäre. Da konnte Nippon verschmerzen, dass es im Weltcup diesmal nur zu Rang drei hinter den noch nie so starken Kenianerinnen und den Chinesinnen langte. Schließlich hatten Japans Männer bereits den Weltcup gewonnen, aber keine Einzelmedaille.
Sie wolle sich nunmehr mehr dem Promoten für die Leichtathletik widmen, erklärte Reiko Tosa. Ihren Platz in der Reihe der japanischen Marathon-Heldinnen hat sie sicher. Denn Japan, das zumindest in der älteren Generation ein Untertanen-Volk mit starkem Gruppenbewusstsein geblieben ist, schätzt einerseits die Machos mit unbändiger Kraft wie Sumoringer und Hammerwerfer und auf der anderen Seite ebenso die Hingabe der zerbrechlich wirkenden Marathonfrauen.
WM-Thermometer IV – 31.08.2007
Ein vollgepackter Tag
Von Manfred Steffny
Das Frühstück fällt heute aus. Schnell einen Happen Brot in den Mund gesteckt und ein Schluck Mineralwasser und auf die U-Bahn zum 20 km Gehen der Frauen um 8 Uhr. Die Farbe weiß ist in der Rushhour dominierend in der Bahn, Businessman im weißen Hemd mit dunkler Hose, Schulmädchen in weißer Bluse, kurzem grauen Faltenrock und schwarzen Kniestrümpfen. Ganz anders als tagsüber, wo Freizeitkleidung mit englischen Sprüche-T-Shirt und Gammellook überwiegen. Jetzt ist es so eng, dass man im Stehen nicht einmal eine Zeitung aufklappen kann, wohl aber ein Handy. Fast jeder Dritte beschäftigt eine Hand mit dem Mobilphone, über der Schulter liegt eine Tasche und die zweite Hand hängt in der Halteschlaufe über dem Kopf.
Am Stadion in Nagai angekommen suche ich im Park die Geherstrecke, aufopfernd hilft mir ein Sicherheitsmann zwischen Absperrungen beim Auffinden der sichelförmigen 2-km-Schleife. Dort kommt man weder rein noch raus, ein 5 m breiter für die Presse ausgewiesener Korridor wird mir verwehrt, weil ich keine offizielle Fotojacke trage. Allerdings befindet sich hier sonst niemand. Zum schließlich aufgefundenen Nadelöhrausgang für die Presse Richtung Stadion komme ich nicht rein, weil ich keinen roten Punkt auf meiner Pressekarte habe. Den bekamen diejenigen, die dort reingekommen waren. Wer aus seinem Hotel zur 2-km-Runde kam, blieb draußen und musste sich ganz außen rum neu einchecken.
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Sebastian Coe ehrt Janeth Jepkosgei. |
Zurück mit der U-Bahn ins Hotel, vorher noch eine Stippvisite beim nahen „Adidas Hospitality Center“, wo ich Steffi Nerius sehe und dem Kenianer Isaac Songok mein Bedauern ausdrücke, dass er im 5.000-m-Vorlauf ausgeschieden ist. Ich erinnere ihn daran, wie er im Juni 2006 Kenenisa Bekele in Oslo geschlagen hat und ich ihn im SAS-Hotel interviewte. Das kommt wieder, sage ich. In meinem Hotel Trusty Shinaibashi muss ich mich schnell umziehen, weißes Hemd, Jackett, denn um 12.30 Uhr ist der AIPS-Empfang in der Casa Italia im Hotel Dojima nahe der U-Bahnstation Umeda. Dort sind Top-Sportler und Funktionäre angesagt. Einlader ist der Internationale Sportjournalisten-Verband AIPS mit seinem Vorsitzenden Gianni Merlo. Und fast alles, was Rang und Namen hat, ist da.
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Starke Frauen wie Betty Heidler (Foto Mast) mag auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sehen und machte ein Stippvisite zur WM, wo sie Speerwurf-Silber und -Bronze durch Christina Obergeföll und Steffi Nerius erlebte.
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Ich haste weiter, will ins Hotel Ryokha Royal. Man zeigt mir das nahe Ryokha Grand Palace, von wo ein Shuttlebus dahin fährt. Nach umständlicher Fahrt – wäre ich doch nur zu Fuß gegangen! – erreiche ich die für 14 Uhr dort angesetzte Pressekonferenz des Deutschen Leichtathletik-Verbandes erst zum Ende. Doch es reicht noch für ein Foto von der neuen Hammerwurf-Weltmeisterin Betty Heidfeld und einem fast philosophischen Diskurs des DLV-Vizepräsidenten Prof. Eike Emrich.
Zu früh bin ich dafür zu der Pressekonferenz im kompliziert zu erreichenden West Wing des gleichen Hotels des Äthiopischen Leichtathletik-Verbandes, der Meseret Defar und Tariku Bekele präsentieren wollte. Die PK ist abgesagt, erklärt uns der peinlich berührt Pressechef Elshadai Negash.
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Mary Ozaki wird als Marathon-Geheimtip für Sonntag gehandelt. Foto: Mast |
Was nun? Rüber zu den Japanern ins Mizuno-Haus, die ebenfalls um 15 Uhr ihre Marathonläuferinnen präsentieren wollten. Mit einem Fernsehteam der EBU (European Broadcasting Union) schwingen wir uns in ein Taxi und sind 10 min später da. Auch dort sind wir am Schwanz der Pressekonferenz, ich kann mich allerdings noch mit der mir von Edmonton 2001 bekannte Reiko Tosa unterhalten, die dort Vizeweltmeisterin geworden war und einen sehr optimistischen Eindruck macht. Die EBU-Leute machen ersatzweise ein Interview mit mir und ich plaudere bei einem Tee in einem schicken Kellerlokal ein wenig über meine Eindrücke von elf Leichtathletik-Weltmeisterschaften, die ich mit nur einer Handvoll von Journalisten teile, lobe ein bisschen und kritisiere die teilweise Überorganisation, das Verbot zu filmen in der Mixed Zone und das Verbot W-Lan auf der Pressetribüne zu nutzen. Warum werden die Europäer in den Läufen immer schlechter? Weil z.B. in Äthiopien 70 Millionen Menschen wohnen, die Hälfte unter 25 Jahren und sie sich auf Laufen und Fußball konzentrieren, sage ich.
Der Tag ist schon vollgepackt, als ich Dunkeln vom Hotel Nikko in der Rushhour eine Stunde ins Stadion unterwegs bin und diesen Text schreibe. Dabei fangen die Abendwettkämpfe erst an, geht es erst richtig los.![]() |
Die Presse darf nur schreiben. Foto: Mast |
WM-Thermometer III – 30.08.2007
Wenn man selber läuft
Von Manfred Steffny
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Manfred Steffny vor dem Castle in Osaka. |
Wenn man laufen will in dieser quirligen Stadt, dann ist diese schöne Anlage erste Adresse, ca. 15 min vom Stadtzentrum mit der U-Bahn zu erreichen. Ich habe stets im Stadtzentrum trainiert, im Ortsteil Shinsaibashi, wo auch mein kleines zentrales Hotel liegt. Was heißt klein, ich bin in der 7. von 9 Etagen. Alles ein bisschen eng, wie in Japan üblich, aber TV mit Flachbildschirm und Satellitenprogramm, W-Lan-Anschluss für knapp 90 Euro das Zimmer, ob Doppel oder Einzel. Die Lage des familiären Trusty Shinsaibashi ist wesentlich besser als die der Mannschaftshotels im Hochhausviertel Umeda. Durch den Verfall des Yen ist Japan erschwinglich geworden. Neben den Hauptstraßen gibt es in Shinsaibashi im Süd-Zentrum der Stadt ein weit verzweigtes, überdachtes Fußgängerzentrum mit vielen kleinen spezialisierten Geschäften, in dem man morgens bis 8 Uhr, wenn die ersten Geschäfte öffnen, ungestört laufen kann. Das ändert sich über Tag, wenn das Publikum sich manchmal in Zehnerreihen vorwärts schiebt. Zweimal lief ich dort bei Tageshitze von 35 °C jeweils eine halbe Stunde, und da war es ziemlich leer. Sonntags war es umgekehrt, da waren die Hauptstraßen mit den Bürokomplexen frei und ich konnte gut auf den breiten Bürgersteigen laufen.
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Der siegreiche, zum Iren gemachte, isländische Journalist (Mitte) mit seinen zweit- und drittplatzierten Kollegen. Niedliche Stofftierchen gab es u.a. als Siegesprämie bei diesem 800-m-Journalisten-Lauf. |
Für mich war wichtig, dass ich meine Inselsammlung erweitert habe. Das war mein 30. Wettkampf auf einer anderen Insel, Honschu, die japanische Hauptinsel. Bisher lief ich in Japan nur auf der Insel Kiuschu den Fukuoka-Marathon (1971) und komme mit dem Media-Lauf über 800 m in Osaka wieder auf den zweiten Platz der Wertung von www.insellaeufe.de kommen.
WM-Thermometer II – 29.08.2007
Angela, Wowi und japanische Hörner
Von Manfred Steffny
Auch in diesen Tagen spricht man in Osaka von Angela Merkel, weil die Bundeskanzlerin zwischen dem 29. und 31. August Japan besucht und auch im nahen Kyoto sein wird, wo sie vor einem Jahrzehnt als Umweltministerin die deutsche Delegation bei der berühmten Kyoto-Konferenz leitete. Die halbstündige Fahrt zur Leichtathletik-WM nach Osaka steht nicht im Programm. Dafür wird ein anderer Berliner Prominenter am Samstag im Nagai/Stadion aufkreuzen und bei einer Pressekonferenz die nächste WM in Berlin 2009 vorstellen, der Regierende Buergermeister Wowereit.
Sonst ist bei der WM von den Deutschen weniger die Rede als von Amerikanern, Russen und Kenianern, die am Dienstag kräftig Medaillen sammelten. Bei den Vorläufen über 1.500 m wurde einem schmerzlich die Abwesenheit der deutschen Männer und Frauen bewusst.
Vor 16 Jahren bei der Weltmeisterschaft in Tokio kamen Hauke Fuhlbrügge und Jens-Peter Herold auf den Plätzen 3 und 4 ein. Diesmal schaffte niemand überhaupt die Qualifikation für Osaka .
Auch beim Gastgeberland könnte es besser laufen. Im Marathon der Männer gab es nur den Trostpreis des Weltcupsieges und nicht die ersehnte Einzelmedaille. Ihr Favorit im Hammerwerfen, Koji Morofushi, seines Zeichens Olympiasieger und auf Plakaten und dem offiziellen Handbuch des Internationalen Leichtathletik-Verbandes prangend, wurde nur Sechster, wenn er auch persönliche Saison-Bestleistung erreichte. Seine Doktorarbeit über die Biomechanik des Hammerwurfs hat ihm gegen die osteuropäischen Athleten nichts genutzt. Das muss er schlucken.
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| Freundliche WM-Helferin in Osaka. |
Die japanischen Gastgeber sind mit einer Vielfalt von Helfern bemüht, gute Gastgeber zu sein. Freundlichkeit und Höflichkeit überspielen gewisse organisatorische Schwächen, die mangels Erfahrungen mit internationalen Großveranstaltungen in der Leichtathletik fehlt. Seit der WM in Tokio 1991 ist eine andere Generation am Ruder. Das letzte Großfest 1964 in Tokio mit den Olympischen Spielen ist schon Geschichte.
Wenn sich Helfer bei der Eingangskontrolle im Pressebereich bis zu den Knien verbeugen, ist das für den Europäer fast peinlich. Wenn wir dann gegen 23-24 Uhr wieder zum Ausgang kommen, sind sie immer noch da, verabschieden uns mit „Arigato – danke“, einige klatschen. Das ist Osaka, die Menschen sind zuvorkommender als in der Hauptstadt Tokio.
Kleine Akzente im Umfeld sind die markanten japanischen Hörnerklänge jeweils vor dem Start eines Wettbewerbs und der (viel bekömmlichere) grüne Tee statt des ewigen Coca Colas vom Hauptsponsor der IAAF. Eine Plastikflasche Tee oder Wasser als Reserve gehört in den heißen WM-Tagen für jeden zur Pflichtausrüstung.
Heat – in Osaka unausweichlich
Von Manfred Steffny
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So schützt sich ein alter Mann vor der Hitze |
Heat ist ein englisches Wort für Hitze. In Osaka gibt es viele Heats – Vorläufe – so der Fachbegriff in der Leichtathletik. Heats sind unausweichlich für Sprinter und Mittelstreckler bis zu 5.000 m und 3.000 m Hindernis. Sie heizen sich auf oder wärmen sich auf, müssen sich qualifizieren. Aber auch wer direkt ins Finale kommt, hat mit der unausweichlichen “Heat” hier in Osaka zu kämpfen.
Die Zuschauer im Betonklotz des Nagai-Stadions fächern sich bei konstanten Temperaturen über 30 Grad einen frischen Windzug zu. Sprinkleranlagen vor dem Stadion sollen die Besucher erfrischen.
Den Marathonläufern, Gehern, aber auch den 10.000-m-Läufern hilft dies wenig. Sie müssen durch. Noch nie stiegen so viele Läufer aus bei einer Weltmeisterschaft wie in Osaka, genau waren es 32%, bei Temperaturen zwischen 27 und 33 Grad ab 7 Uhr morgens. Selbst die Spitzenläufer mussten mit Zeiteinbussen von 9 min rechnen. Wer nicht an die Hitze angepasst war oder zu schnell anging, brach unweigerlich auf der zweiten Hälfte ein.
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Luke Kibet, der Marathonsieger war bestens angepasst an die Hitze in Oasaka. Foto: Iris Hensel |
Die Regel galt: je früher jemand nach Osaka kam, desto besser war er vorbereitet. Viktor Roethlin, der Marathon-Dritte aus der Schweiz, trainierte schon drei Wochen vorher im nahen Kobe. Auch die Amerikanerin Cara Goucher, die ebenso überraschende Dritte über 10.000 m, war schon zehn Tage vorher in Osaka. Die Deutschen hatten sich auf der nördlichen Insel Hokkaido zwar an die Zeitumstellung gewöhnt, nicht aber an die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit.
Wer aber zwei Tage vorher erst in Osaka direkt aus der Höhe von Addis Abeba ankam, waren die Äthiopier. Bei den Frauen über 10.000 m ging diese Rechnung nicht auf, statt aller drei Medaillen wie bei der letzten WM 2005 in Helsinki gab es diesmal nur Gold durch Tirunesh Dibaba. Die äthiopischen Männer aber holten Gold und Silber in einem sehr sehr starken Rennen in der Fabelzeit von 27:05 min. Mindestens 40 sec kostete hier die Hitze bei 30 Grad, bei den Frauen ueber 10.000 m kann man sogar von einer Minute ausgehen.














